Der Bluatige Damerl als Zeichnung von Angathonion, enstanden aus einem Kaffeefleck.

Bluadiger Damerl

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Am Vorabend des 21. Dezembers erscheint besonders im Bayerischen Wald oder auch anderswo hin und wieder der „bluatige Damerl“. Er reckt ein blutbesudeltes Bein zur Türe herein, ohne die Stube zu betreten. Zuweilen trägt er einen Hammer bei sich und droht, den Kindern das Hirn einzuschlagen. Bei Mitterfels schlägt er mit einem schweren Hammer an die Stubentür und ruft:
„I bin der Thomas von Aquin,in mein’ Sackl han i mein’ Hammer drin.“

Max Peinkofer verwies 1947 auf eine Ähnlichkeit mit der hammerwerfenden Germanengottheit Donar (Thor). Quelle: Wikipedia

Illustration von Timo Grubing für das Kohlrabenschwarz-Märchenbuch: Der Bluadige Damerl streckt seinen Fuß über die Türschwelle
Illustration von Timo Grubing für das Kohlrabenschwarz-Märchenbuch: Der Bluadige Damerl streckt seinen Fuß über die Türschwelle

Regionale Unterschiede

Je nach Region vom Bayerischen Wald bis nach Altbayern und in die Alpenregion hinein der Damerl, Dammerl, Tamerl oder eben der „blutige Thomas“ genannt, jagte diese Gestalt den Kindern einen großen Schrecken ein, wenn er heranpolterte, mit seinem Hammer an die Stubentür pumperte und unversehens sein blutverschmiertes Bein zur Tür hereinstreckte. Dieser Brauch könnte, so wird vermutet, durch Metzger entstanden sein, die am Thomasabend nach der Schlachtung mit blutiger Kleidung in die Stube traten. Zur Ausstattung des „bluadigen Thameri“ gehörte auch ein abgezogenes Bocks- und Ziegenfell, dem man große Zauberkraft zuschrieb. In weiteren Varianten besucht der Damerl den örtlichen Friedhof und segnet die dort liegenden Sünder.

Wann ist die Thomasnacht?

Was den Bezug mit dem Apostel Thomas angeht, so zählen hier zwei Daten: Der größte Teil der Thomasreliquien wurde angeblich an einem 3. Juli im dritten Jahrhundert nach Edessa, dem heutigen Sanhurfa in der Türkei, übertragen. Daher rührt die Datierung des Gedenktags für den Heiligen Thomas am 3. Juli.

In der Brauchtumspflege und Überlieferung gilt aber immer noch der 21. Dezember als Gedenktag des Heiligen Thomas – der Tag der Wintersonnenwende mit der „längsten Nacht“. Sowohl Tag als auch Nacht wurden dem Apostel Thomas darum gewidmet, weil er als „ungläubiger Thomas“ am längsten von allen Aposteln an der Auferstehung des Herrn zweifelte und deshalb am längsten „in der Nacht des Unglaubens verharrte“.
In der Nacht des 21. Dezember trieb es insbesondere die Dorfjugend mitunter recht derb. Wilde Besäufnisse waren nur der Anfang und führten zu Sachbeschädigung, Nötigung und anderen strafrechtlich relevanten Delikten. Nicht umsonst ist in einigen Regionen wie zum Beispiel im Schwarzwald der Morgen nach der Thomasnacht als „Kotzmorgen“ bekannt.

Ob die katholische Kirche deswegen im Jahr 1970 den Tag des hl. Thomas offiziell auf den oben genannten 3. Juli legte, ist Gegenstand von Debatten. Fakt ist, dass auch der 21. Dezember in Volks- und Brauchtum nach wie vor begangen wird und seitdem beide Tage als „Tag des Thomas“ geduldet werden.

In Kohlrabenschwarz haben die Serienschaffenden die unzähligen Versionen des Bluadigen Damerl zu einer kohärenten Figur verschmolzen, die mit dem oben erwähnten magischen Ziegenfell um die Schultern Menschen heimsucht, die sich versündigt haben. In diesem Fall ist der Damerl ein arbeitsloser Metzger, der sich nun an den Menschen rächt, die er für seine Situation verantwortlich macht. Vermittels der Mordwaffe haben sie den Damerl mit einem weiteren, sehr realen, Mordfall verknüpft …
Siehe „Hinterkaifeck

Bild: Angathonion
Illustration: Timo Grubing