Homunkuli

von

in

Der Homunkulus oder lateinisch Homunculus („Menschlein“) bezeichnet einen künstlich geschaffenen (kleinen) Menschen. Die Idee des Homunkulus wurde im Spätmittelalter im Kontext alchemistischer Theorien entwickelt.

Häufig erscheint der Homunkulus als dämonischer Helfer magischer Praktiken. Das Motiv des Homunkulus wurde in der Literatur oft aufgegriffen, insbesondere um die Ambivalenz der modernen Technik zu illustrieren. Die vielleicht bekannteste Verwendung der Homunkulus-Idee findet sich in Goethes Faust II.

Das Wort homunculus ist bereits bei Cicero, Plautus und Apuleius belegt. Dort bedeutet es als Diminutiv von homo, d. h. als Verkleinerungsform des lateinischen Wortes für „Mensch“, nichts anderes als „kleiner Mensch, Menschlein“. Ein kulturhistorisch bedeutsames Konzept wurde mit diesem Wort erst im Spätmittelalter verbunden, als die viel älteren Spekulationen über die Erzeugung künstlicher Menschen (vgl. den Pygmalion- und Golem-Mythos) eine neue, chemisch-medizinische Richtung einschlugen. Der Arzt Arnaldus von Villanova soll sich im 13. Jahrhundert bereits über die alchemistische Herstellung von künstlichen Menschen Gedanken gemacht haben. Es gibt sogar noch frühere Berichte über Homunculi. In den Pseudoklementinen (4. Jahrhundert n. Chr.?) wird behauptet, dass Simon Magus einen Menschen geschaffen hätte, indem er Luft in Wasser, Wasser in Blut und schließlich Blut in Fleisch verwandelt habe.

Genau beschrieben wird die angebliche Herstellung eines Homunkulus in der Schrift De natura rerum (1538), die allgemein Paracelsus zugeschrieben wird. Dort bekommt auch der Begriff des Homunkulus zum ersten Mal seine alchemistische Bedeutung. Paracelsus war ein Arzt, Alchemist und Mystiker des frühen 16. Jahrhunderts.

Der Homunkulus in Goethes Faust

Das Motiv des Homunkulus ist unter anderem von Goethe während seiner Arbeit an Faust II zwischen 1825 und 1831, als Idee eines auf chemischem Wege erzeugten Menschen, aufgenommen worden. Mit dazu beigetragen hat die erste erfolgreiche Umwandlung von anorganischer in organische Materie im Jahr 1828: die Harnstoffsynthese durch Friedrich Wöhler. In einem Entwurf vom 17. Dezember 1826 beschreibt Goethe explizit Wagner als Schöpfer des Homunculus, in der endgültigen Fassung fehlt dieser Teil. Der Dichter und enge Vertraute Goethes Johann Peter Eckermann erklärte daher, dass Mephistopheles der eigentliche Schöpfer des Homunkulus sei. Endgültig klären lässt sich diese Frage nicht mehr.

Es ist möglich, die Idee des Homunkulus durch Goethes Naturphilosophie zu erklären. Goethe war der Meinung, dass es einen besonderen Lebenssaft gebe, der allen Lebewesen zukomme und organisches und anorganisches Material grundsätzlich voneinander trenne. Man nennt eine solche Position Vitalismus. Im Rahmen dieser Theorie ist die Schaffung von Lebewesen aus anorganischem Material nicht denkbar. Wenn jedoch, wie bei der Erzeugung von Homunculi, organische Materialien ins Spiel kommen, wäre die Erzeugung von künstlichen Wesen grundsätzlich denkbar. Schon bei Goethe ist das Motiv des Homunculus mit der Idee einer erfolgreichen Naturwissenschaft verknüpft. So lässt er Wagner sprechen:

„Es leuchtet! seht! – Nun läßt sich wirklich hoffen,
Daß, wenn wir aus viel hundert Stoffen
Durch Mischung – denn auf Mischung kommt es an –
Den Menschenstoff gemächlich componiren,
In einen Kolben verlutiren
Und ihn gehörig cohobiren,
So ist das Werk im Stillen abgethan.
Es wird! die Masse regt sich klarer!
Die Ueberzeugung wahrer, wahrer!
Was man an der Natur Geheimnisvolles pries,
Das wagen wir verständig zu probiren,
Und was sie sonst organisiren ließ,
Das lassen wir krystallisiren.“

Text: Wikipedia
Bild: KI

Homunkuli in Kohlrabenschwarz

Die Homunkuli in Kohlrabenschwarz werden als „Fabrikarbeiter“ in der Spiegelglasfabrik bei Würzburg eingesetzt. Nach abruptem Ende ihres Arbeitseinsatzes durch die Kikimora löst sich ihre magische Kraft in gleißendes Licht auf, und sie verschwinden.